6. Juni 2018 Jörg Müller

Querje’dacht – Strafzölle: Wat zoll das?

Twitter. Strafzölle via Twitter.

Nun also verkündet US-Präsident Donald Trump doch Strafzölle für Stahl und Aluminium und verordnet den Märkten scheinbar eine weitere Portion bumpy road. Dahinter steckt der Glaube, Protektionismus brächte Arbeitsplätze zurück. Im Rahmen unserer Branchenbetrachtung blicken wir auf zwei weitere Sektoren, die nun stärker in den Fokus rücken dürften, da sie bislang zu den Globalisierungsgewinnern zählten.

Natürlich treffen Strafzölle zuvorderst die hiesige Stahlbranche. Allerdings ist Panikmache nicht angebracht, das zeigen auch die ersten Reaktionen an den Börsen. Bei einigen Unternehmen ist der US-Anteil der Stahlexporte irgendwo zwischen 1 und 10% angesiedelt, der Einfluss auf die Zahlen also ein überschaubarer. Unternehmen, die gar in den USA Produktionskapazitäten aufgebaut haben, sind von den Zöllen dort direkt nicht betroffen. Viele europäische Stahlkonzerne wie etwa Voest Alpine haben in den USA stark investiert, stärken damit ihr Standbein dort und härten sich gegen mögliche transatlantische Zolleklats ab. Die Frage die sich ja auch immer stellt ist jene nach der Rückkehr der Stahlkocher in die USA. Auch in den USA weiß man, dass dort noch in den 80er Jahren 10 Mannstunden gebraucht wurden, um eine Tonne Stahl zu produzieren. Heute sind es nur mehr anderthalb. Das ist die treibende Kraft hinter dem Stellenabbau in der Stahlindustrie. Ausgehend von 1953, als dieser Zweig noch rund 653.000 Menschen beschäftigte, ging es bis heute stetig bergab. Ein weiterer Grund ist der Peak im Stahlverbrauch. Die USA, genauso wie Japan und Deutschland, verbrauchten im Jahr 1973 am meisten Stahl, danach ging es unter Schwankungen ab- bis seitwärts.

Globalisierungsdividende wird abgeschmolzen

Die Branche hat also in den entwickelten Ländern ein grundsätzliches Nachfrageproblem, welche die Entwicklungsländer erst dann auffangen konnten, als China massiv in Gebäude und Infrastruktur zu investieren begann. Zwischen 2001 und 2007 stieg die Stahlnachfrage weltweit um 6,7% pro Jahr, getrieben vor allem durch den stahlhungrigen chinesischen Drachen. Es gibt nun Prognosen, nach denen sich die Stahlnachfrage bis 2050 von heute aus noch einmal verdoppeln soll. Das spricht übergeordnet für Rückenwind, da viele Entwicklungsländer und Projekte wie die neue Seidenstraße massiv auf der Nachfragerseite auftreten.

Zölle, wie sie die USA jetzt gegen die EU verhängt, die ihrerseits ähnliche Maßnahmen gegen China verhängt hat, dürften in diesem Kontext eher eine Randnotiz bleiben. Wohl aber zeigen sie derzeit an, dass die Zeichen auf Protektionismus stehen und die Globalisierungsdividende ganz offensichtlich abgeschmolzen werden wird. Das wiederum spricht gegen ein Investment in die Stahlbranche, zumal die Musik in der Branche längst außerhalb der USA spielt. Schon Präsident Bush Jr. zündelte mit Zöllen, vergeblich. Die strukturellen Umbrüche in der Branche kann derlei nicht aufhalten, andererseits machen genau diese Strukturbrüche die Branche nicht zum Hort von Low-Vola-Investments.

Da braut sich was zusammen
Eine Branche, die (noch) nicht so im Fokus steht, ist die Chemie. Chemie, da fallen einem in Deutschland sofort BASF, Bayer, Lanxess und Wacker Chemie ein, in den USA Albemarle und Dwight Church, in den Niederlanden DSM und Akzo Nobel. Auch ist die Fusion zwischen Bayer und Monsanto sofort präsent. Es gibt Analysen die besagen, dass Bayer eine der wenigen europäischen Aktien sein wird, die in 10 Jahren noch unter den Top 50 der höchstkapitalisierten Aktiengesellschaften der Welt notieren. Ein wenn nicht der entscheidende Treiber ist hier die Akquisition von Monsanto. Das Thema Nahrung bzw. speziell Agrarchemie ist eines, das wachsen dürfte, solange es mehr Menschen auf der Welt gibt und solange es der sich entwickelnden Welt gelingt, mehr Menschen zu steigendem Wohlstand zu verhelfen. Höhere Nachfrage nach Nahrungsmitteln ist eine Funktion steigenden Wohlstands, und bis ins Jahr 2040 soll die Weltbevölkerung ja voraussichtlich noch wachsen. Entsprechend zeichnet sich hier eine Säkulärkonjunktur ab, die Rückenwind für die Bayer-Aktie bedeuten könnte, sobald die Aufräumarbeiten im Zuge der Fusion erledigt sind. Gleichzeitig zeichnet sich im Zuge dieser Fusion bei BASF ab, dass die Ludwigshafener im Saatgutbereich das werden was Bayer/Monsanto in der Agrarchemie sind – der absolute Markführer, der hohe Margen bei seinen Kunden durchsetzen kann, nahezu unangreifbar von Seiten der Konkurrenz und zu schwächen fast einzig durch politische Einflussnahme. Das zusammengenommen sind Merkmale, die Low-Vola-Aktien typischerweise ausprägen.

Übergeordnete Effekte unterstützen Chemieaktien – langfristig
Unabhängig davon genügt ein Blick in das Zahlenwerk zur Branche, um zu einer konstruktiven Haltung zur Chemiebranche zu gelangen. Neben der Fusionitis spricht die wachsende Resistenz gegen zyklische Dellen für die Branche. Hintergrund ist hier, dass die Chemiebranche in den nächsten 10 bis 15 Jahren einerseits maßgeblicher Zulieferer für die neue Trendtechnologie ‚Batteriebetriebenes Auto‘ werden wird. Dazu gesellt sich eine stetig emporentwickelnde Nachfrage aus den Emerging Markets, was die Wachstumsperspektiven aufhellt. Während das Wachstum der Autobranche von zuletzt gut 5,5% p.a. bis 2030 auf 3% schrumpfen und sich in der Elektroindustrie auf 4% halbieren wird, was relativ gesehen einer Zäsur entspricht, wird die Chemiebranche nur hinter den Komma verlieren. Vor dem Komma wird eine 3 bleiben.

Ein Indikator kann auch die Prognose des Verband der Chemischen Industrie in Deutschland sein, der „seiner“ Branche ein Wachstum von 1,4% pro Jahr bis 2030 bescheinigt. Dies läge oberhalb des hiesigen Potentialwachstums. Das bedeutet, dass auf die Chemieindustrie womöglich nicht so tiefe Zäsuren zukommen wie auf andere Branchen. Die Entwicklungen der Unternehmen und damit auch deren Erträge werden stabiler und damit belastbarer sein, was sich wiederum in den Börsenkursen niederschlagen dürfte. Übersetzt heißt das: Wer zuverlässig liefern kann, wird wahrscheinlich mit einem Bewertungsaufschlag bedacht, der anderen Branchen entzogen wird. Zwar sind der Ölpreis bzw. die Preise für die Rohmaterialien und steigende Researchbudgets durchaus schwer kalkulierbare Variablen, sie ändern aber nichts am übergeordnet positiven Bild der Branche.

Zusammengefasst

Strafzölle hin Strafzölle her, Handelshemmnisse bauen sich auf und bedürfen eine Beurteilung jeder einzelnen Branche. Denn manche Sektoren tangieren Strafzölle mehr, manche weniger. In den beiden betrachteten Branchen zeichnen sich unabhängig davon bereits übergeordnete Trends ab, die die Kurse der einzelnen Unternehmen in die eine oder andere Richtung drücken werden. Gerade Chemietitel sollten angesichts dessen langsam aber sicher auf die Beobachtungslisten wandern. Eines der Epizentren dieser Industrie liegt in Deutschland, das können sich Anleger zu Nutze machen.

Hinweis: Diese Branchenbetrachtung ist die erste, die wir vor allem für unsere Anleger im College Fonds anstellen, weitere werden folgen. Wir möchten darüber sichtbar machen, mit welchen Branchen wir uns beschäftigen und wie wir sie im Einzelnen sehen. Diese Information ist Werbung – es handelt sich nicht um eine Anlageempfehlung.

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