Exchange Trades Funds (ETF) sind aus Ihren Kinderschuhen längst herausgewachsen. Eine neue Studie der Nord LB zum Thema ETFs hinterlässt im Fazit aber einen durchaus nachdenklichen Gesamteindruck. Diese Gelegenheit wollen wir nutzen, Sie in einer kleinen Reihe über die Mechanismen und Funktionsweisen von ETF und die damit verbundenen Chancen und Risiken zu informieren. Beginnen wollen wir dabei mit einer allgemeinen Einführung und einer Beschreibung von sogenannten replizierenden ETFs.
Börsengehandelte Indexfonds, wie Sie auch genannt werden, bilden meistens einen marktbreiten Index ab. Pioneer war 1976 der Vanguard S&P 500 ETF, der sich an ein breites Publikum wandte. Zuerst galten Exchange Trades Funds als langweilig. Fondsmanager behaupteten, sie könnten diese Durchschnittsergebnisse durch eine aktive Auswahl von Wertpapieren mit Leichtigkeit überflügeln und bessere Resultate erzielen.
Doch die meisten wissenschaftlichen Studien belegten später eher das Gegenteil: Es ist selbst mit den besten Methoden fast unmöglich, besser als der Markt zu sein. Es gilt nämlich an den Finanzmärkten das CAPM, das Capitel Asset Pricing Model: Wer besser als der Marktdurchschnitt sein will, muss höhere Risiken eingehen. Damit wäre das Thema dann schnell erledigt, gäbe es nicht die Low-Volatility Anomalie mit ihrem den ETFs überlegenen Risiko/ return Profil.
Zuerst aber noch ein paar Basics zu ETFs und deren Konstruktion:
Um die Entwicklung eines Marktes oder eines Index abzubilden, haben ETFs grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. Im Groben wird zwischen replizierenden und synthetische Indexfonds unterschieden.
Replizierende ETFs kaufen die zugrundeliegenden Wertpapiere eines Index in der entsprechenden Gewichtung. Diese führt dann in der Realität zu sogenannten Replikationsrisiken:
Stellen Sie sich vor, ein ETF bezieht sich auf den DAX. Der Fonds muss also die 30 DAX-Aktien entsprechend deren Gewichtung erwerben. Zwar haben die großen Fonds Möglichkeiten, Handelsrabatte bei den Bankprovisionen zu bekommen, aber auch für diese großen Anleger entstehen Kosten.
Wenn nun eine neue Aktie in den DAX aufrückt und eine andere dafür das Börsenbarometer verlässt, muss der DAX-ETF umschichten. Er ist verpflichtet, die neu aufgestiegene Aktie zu kaufen, um den DAX wieder richtig 1:1 abzubilden. Da es aber viele ETFs und Investmentfonds gibt, die nun den Neuaufsteiger im Depot haben wollen bzw. müssen, steigt die Nachfrage nach der Aktie deutlich an. Es entsteht ein Run auf dieses neue Index Mitglied. Durch die hohe Nachfrage steigt der Kurs der Aktie im Vorfeld bereits überdurchschnittlich. Das bedeutet: Die Indexfonds müssen die Aktie zu einem zu hohen Preis kaufen.
Da sich der Kurs des neuen Index Teilnehmers danach überwiegend wieder auf ein tieferes Normalniveau einpendelt, haben die ETFs die Aktie zu teuer gekauft. Dies führt dazu, dass die Wertentwicklung des ETF vom Basis-Index abweicht. Solche Abweichungen nennen Experten »Tracking Error« – dem Fonds gelingt es gleichsam nicht, »in der Spur« zu bleiben und den DAX Index exakt zu spiegeln. Man spricht hier von einem Replikationsrisiko. Die Abweichung des ETF zum Index nennt man Tracking Error (TE). Der TE misst die ungewollte Abweichung zwischen der Wertentwicklung eines ETF Portfolios und dem Index. Je höher der TE, desto größer die Abweichung und somit das Risiko deutlich vom Index abzuweichen. in unserem zweiten Teil wenden wir uns dann den sogenannten syntetischen ETFs zu um die kleine Reihe mit einem Artikel über low-Vola-ETFs zu beschließen.