7. Februar 2017 Jörg Müller

Dank Trump: „Ein Mix, der einen Rücksetzer produzieren kann“

Ein Gespräch mit Jörg Müller, Geschäftsführer Advice & Opinion Asset Management und Berater des College Fonds, über den Trump-Effekt, die richtige Asset Allocation und seine Idee von der Anlagewelt bis ins Jahr 2020 hinein.

Sie haben in einer Ihrer Kolumnen über den „Trump-Crash ante portas?“ gesprochen. Bisher trat solcher nicht ein. Was ist nun dran am Trump-Effekt?

Jörg Müller: Wir hatten „Trump – Wolf im Schafspelz“ tituliert. Unmittelbar nach der Wahl sanken die Aktienfutures weltweit und Gold stieg um 5%. Die Treasury Futures gingen ebenso fest. Also alles Risk-Off Modus. Erst mit Trumps präsidialen Rede, drehten die Aktienmärkte ins Plus und legen seitdem weiter zu. Die Pläne zur Erneuerung der Infrastruktur und Steuererleichterungen wurden gutiert. Trump wird zum Beispiel oft mit Ronald Reagan verglichen, dessen Basis für die nach ihm benannten Reagonomics waren jedoch weit niedrigere Staatsschulden, rekordhohe Steuern für Unternehmen, hohe Nominalzinsen und niedrige Bewertungen an den Börsen. Das ist bei Trump schon mal ganz anders. Wo Trump hier noch einen Effekt erzielen will, ist mir eher nicht plausibel, noch dazu die US-Ökonomie ihren zyklischen Zenit überschritten haben dürfte. Ausgehend von Vollbeschäftigung Anreize für mehr Beschäftigung setzen zu wollen, das kann nur ein sehr teures Unterfangen werden. Auch scheinen mir die Steuererleichterungen für die wohlhabende Klasse unausgegoren, denn Studien zeigen ja sehr stark, dass derlei nur die Ungleichheit zementiert und die Aufstiegschancen eher geringer als größer werden. Trickle down und der Glaube an den amerikanischen Traum, das war einmal. Jedoch sind die Steuersenkungen für Unternehmen durchaus sinnvoll, das kann US-Unternehmen und deren Bilanzen direkt beflügeln. Und mit ihnen die Aktienkurse, wobei ein Teil schon eingepreist sein könnte. Aber ich bin zuversichtlich, daß wir noch höhere Kurse für DAX und Dow Jones im 1. Halbjahr 2017 sehen werden. Die Liquidität im Markt ist einfach sehr hoch. Das 2. Halbjahr könnte dann schwierig werden. Zudem werden uns wahrscheinlich hohe Kurschwankungen in den kommenden Monaten begleiten.

Also ist Trump nicht gleich Trump.

Müller: Er ist sicherlich eine polarisierende Person, der mich emotional aufwühlt, seine Maßnahmen jedoch sind die, an denen ich ihn messe. Und hier ist, da muss ich zustimmen, eben nicht alles ausschließlich negativ zu sehen. Ihm geht es um die Wettbewerbsfähigkeit der USA, die im Bereich der IT gegeben ist, sonst aber doch ganz erheblich gelitten hat in den vergangenen Jahren. Die USA sind deindustrialisiert wie deinfrastrukturisiert. Soll heißen, sie sind bei vielen Parametern nicht mehr auf Augenhöhe mit vielen europäischen oder asiatischen Staaten. Das hatte zur Folge, dass Arbeitsplätze in personalintensiven Branchen verloren gingen. Trump will das jetzt zurückholen, daran wird er gemessen werden von seinen Wählern. Klar wird er hier scheitern, aber Schuld werden all die anderen sein, die ihn nicht haben machen lassen.

Er wird scheitern, Arbeitsplätze zu schaffen?

Müller: Vielleicht schafft er welche, zeitweise, aber das kann nicht von Dauer sein. Das wird ein Strohfeuer sein, zumal er basisbedingt wie eingangs geschildert einen satten Wirtschaftszyklus nochmal auspressen möchte. Erinnert mich ein bisschen an den Geschäftsmann Trump, der auch immer alles aus allen herausgepresst hat. Aber die Wirtschaft ist eben kein Gebäude, sie ist ein lebendiges Gebilde, und wenn dieses müde ist, dann braucht es eine Pause. Die US-Wirtschaft braucht, wie im Übrigen die europäische auch, wieder mal eine Verschnaufpause. Das könnte befeuert werden durch eine wieder anziehende Teuerung in den USA, denn die hat Trump gar nicht auf dem Schirm. Wenn er Schutzzölle als Handelsbarriere errichtet, dann wird er sich darüber höhere Preise, also Teuerung, importieren. Steigen darauf basierend die Zinsen, geht der Ausgabenstrategie Trumps schnell die Puste aus.

Womit wir bei Europa wären. Wie verhält es sich hier mit dem Trump-Effekt?

Müller: Ich würde an der Stelle empfehlen, die Trump-Bühne mal zu verlassen und hinter die Kulissen zu blicken. Dieses tägliche Blicken auf Trump und seine Dekrete, multimedial verbreitet in jeden Winkel der Welt, verleiht ihm nur noch unnötig Gewicht und Wirkung. Wenn man den Vorhang mal fallen lässt, dann sieht es hinter den Kulissen doch so aus, als würde Europa in diesem Jahr vor einem Schlüsseljahr stehen, weil sich die politischen Gewichte maßgeblich verschieben könnten. Driftet Frankreich nach rechts, und mit ihm Deutschland? Weiter gedacht muss gefragt werden, ob Europa noch der Investitionsstandort bleibt der es derzeit ist oder ob sich auch hier die Gewichte zunehmend verschieben werden. Deutschland steht zwar gut da, aber die enormen Versprechen im Sozialbereich machen den Standort künftig doch sukzessive teurer und damit wieder weniger wettbewerbsfähig. Ich wundere mich an dem Punkt immer, dass nicht die auf die Straße gehen, die dies betrifft, nämlich die Jungen. Andere europäische Länder könnten das für sich nutzen und ein Teil der Prosperität wieder auf sich ziehen, was wiederum gut für deren Aktienmärkte sein könnte. Immer nur den DAX zu kaufen, kann auf Dauer auf Verklumpungen im Depot zur Folge haben.

Aber die Chinesen finden deutsche Firmen ja immer noch attraktiv, oder nicht?

Müller: Kann schon sein, fragt sich nur wo die das Geld für diese ganzen Übernahmen her haben. Oder auch für die Unsummen, die sie derzeit im Fußball ausgeben. Das entbehrt jeglicher Grundlage und riecht für mich danach, dass sie schon ein wenig von einen Wachstumsdisbalancen, um nicht Wachstumsschwächen zu sagen, ablenken wollen. Zwar stimulieren sie momentan wieder, was die Weltwirtschaft ebenfalls antreiben könnte, aber für mich sieht das ein wenig wie ein Strohfeuer aus. Gefährlich ist für mich, dass China und die USA jetzt gleichzeitig stimulieren, wo ist denn dann das Korrektiv, wenn die Medikationen für die Volkswirtschaften wieder herunterdosiert werden. Dann kann es ein böses Erwachen an den Märkten geben. Dann treffen reife Konjunkturzyklen auf verpuffende Wachstumsstimuli samt Geldpolitiken in verschiedenen Modi, das ist ein Mix, der einen ordentlichen Rücksetzer produzieren kann.

Mit welchen Folgen für Sie als Berater eine Fonds?

Müller: Also in meinen Augen sind gerade in Zeiten wie diesen, in denen ein neues Anlageparadigma geprägt wird, niedrigvolatile Aktien die richtige Wahl. Die Argumentation dahinter ist gänzlich einfach. Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und damit verbunden stabilen Zahlenbasen werden von Anlegern präferiert, weil sie in unruhigen Zeiten eine relative Planbarkeit versprechen. Natürlich fallen auch deren Aktien in einer Korrektur zurück, aber sie fallen weniger stark als andere und finden eher wieder in die Spur. Der Markt verteilt im jetzigen Anlageregime eine Prämie an diese Unternehmen, die man vereinnahmen kann, solange man hier investiert ist. Das Schöne ist zudem, dass diese Unternehmen zumeist auch attraktiv gepreiste Anleihen ausstehend haben, man sich sein Portfolio also mit Papieren beider Gattungen bestücken kann, je nachdem, wo die Präferenz und wo die Asset Allocation adjustiert werden soll.

Asset Allocation in Zeiten eines neuen Anlageparadigmas, das klingt jetzt etwas akademisch.

Müller: Ist es aber nicht. Die Zeiten haben sich geändert. Wir sprechen seit 2008 über Zinsen nahe Null, über ständig überproportionalen Stress im Finanzsystem, über zunehmende geostrategische Risiken sowie eine sich im Wandel befindliche politische Landschaft. Despoten zermalmen die Demokratien, durch die sie erst an die Macht gekommen sind, Kandidaten wie Trump werden erst möglich gemacht, das politische Establishment bekommt einen Denkzettel nach dem anderen. Dieser Wandel erzeugt Unsicherheit, erst recht für Anleger, die sich vielleicht noch an die Zeiten vor 2008 oder gar vor 2000 erinnern werden. Von politischer Seite gab es hier Rückenwind für die Börsen, weil der Rahmen etwas verlässliches hatte. Das ist jetzt anders. Es gab in der Vergangenheit immer solche Phasen, in denen man nach Verlässlichkeit suchte, und ich denke, dass Anleger Verlässlichkeit heute erst recht bei Low-Vola-Aktien finden. Das Bild ist für mich schlüssig, weshalb ich danach im College Fonds investiere. Im Übrigen kann ich das Raster mittlerweile gut in Japan und auch in anderen Emerging Markets anlegen. Nehmen Sie Japan, dort finden Sie viele Unternehmen, deren Aktien in mein Raster passen. Bei den Emerging Markets ist es jedoch so, dass ich vielleicht warten würde, wie die Wall Street sich verhält, wenn sich Trump und seine Truppe mal zurechtgeruckelt haben. Würgen deren Maßnahmen die US-Konjunktur ab, was durchaus möglich erscheint, dann müssen Anleger in den Schwellenländern auf der Hut sein. Allerdings sind die Aktien hier, speziell in Asien und teilweise auch Lateinamerika, fundamental günstig, viele Zahlenwerke sind mittlerweile robust, so dass hier ein Einstieg langsam aber sicher auf die Agenda rücken könnte.

Wovon raten Sie ab?

Müller: Mit Cash tue ich mich hart, ebenso wäre ich zurückhaltend etwa bei britischen Aktien. Strukturell sollte man vorsichtig bei Anleihen sein, es wird der Punkt kommen, an dem Verluste passieren, die durch wieder steigende Kurse aufgrund abermals fallender Renditen nicht mehr aufgefangen werden können. Deshalb mögen wir auch eine Portion Gold in unserem Fondsportfolio, das ist so ein Teil einer Save-Haven-Strategie. War der sichere Hafen 2008 noch die Unze Gold und der 10jährige Schuldtitel der Bundesrepublik ist es heute die Unze Gold gepaart mit einem Low-Vola-Kernportfolio, das teilweise abgesichert ist. Was mich bei Anleihen derzeit umtreibt, ist einfach die relativ sorglose Betrachtung der globalen Staatschulden, das läuft völlig aus dem Ruder und wider jeglicher Vernunft. Die USA hat 20 Billionen US-Dollar Schulden, steigt der Zins um 1%, muss aus dem Staatshaushalt 200 Milliarden US-Dollar mehr an Zinsaufwand aufgebracht werden. Wie das gehen soll bei den ganzen Ausgabenwünschen, ist mir vollkommen schleierhaft. In Europa reden wir zwar nicht drüber im Moment, aber die Relationen sind hier ähnlich dramatisch, werden aber der Bevölkerung gegenüber totgeschwiegen. Das fühlt sich an wie ein Hochseilartist, an dessen Balancestab an einer Seite ein 50-Kilo-Päckchen hängt. Das braucht dann nicht mehr viel passieren, da darf kein Windhauch kommen. Angesichts dessen sollte ich vorbereitet sein und eine Save-Haven-Idee haben. Unsere ist eben jene der Low-Vola-Unternehmen, das erscheint mir für diese Phase die passendste zu sein.

Haben Sie vielen Dank für die Offenheit und das Gespräch.

Das Gespräch führte Torben van der Strömstadt.

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